WARUM WARTEZEITEN ENTSTEHEN 

 

 

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient, 

 

in unserer Praxis hilft ein digitales Wartezimmer dabei, die Wartezeit zu verkürzen. Trotz aller technischen und organisatorischen Bemühungen kann es zu Verzögerungen kommen. Hier möchte ich erklären, warum das so ist und um Verständnis bitten. 

 

 

 

 

✅ 1. Termine laufen sequenziell – ohne Lücken 

 

 

Unsere Terminplanung enthält keine Pufferzeiten. Jeder Termin folgt direkt auf den vorherigen. 

Dauert ein Termin 10 Minuten länger, verschieben sich ALLE folgenden Termine eben um diese Zeit. 

Oft verlängern sich mehrere Termine hintereinander – fünfmal 15 Minuten ergeben bereits 75 Minuten Verzögerung. 

 

 

 

 

✅ 2. Die angezeigte Zeit ist ein CIRCA-Wert – Medizin und Technik lassen sich nicht exakt planen 

 

 

In einer Hausarztpraxis sind Termine nicht minutiös vorhersehbar. Manche Anliegen sind rasch geklärt, andere benötigen mehr Zeit. 

 

Zusätzlich entstehen Wartezeiten durch Aufgaben, die zwischen den Terminen erledigt werden, z. B.: 

 

  • medizinische Dokumentation
  • Besprechungen mit Apotheken, Pflegeheimen, Pflegediensten oder Fachärzten
  • Ausstellung und elektronische Signatur von eAU, E-Rezepten und Verordnungen

 

 

Auch technische Störungen können Zeit kosten. Viele Abläufe funktionieren nur mit funktionierender Technik: 

 

  • Gesundheitskarte benötigt eine Internetverbindung
  • eAU und eRezept laufen über die Telematik-Infrastruktur
  • Drucker- oder Serverprobleme verzögern Abläufe

 

 

In solchen Momenten bin ich nicht nur Arzt, sondern kurzzeitig auch IT-Techniker – denn ohne funktionierende Technik kann keine Versorgung stattfinden. 

 

All diese Faktoren führen dazu, dass die Wartezeit im digitalen Wartezimmer eine Schätzung ist und sich jederzeit verändern kann. 

 

 

 

 

✅ 3. Jede Praxis hat feste Öffnungszeiten – ein Tag lässt sich nicht beliebig verlängern 

 

 

Auch wenn wir gerne allen Patienten noch am selben Tag helfen würden, endet ein Praxistag zu einer festen Uhrzeit. 

 

  • Das Praxisteam hat feste Arbeitszeiten
  • Kinder müssen aus Schule oder Kindergarten abgeholt werden
  • Büro- und Dokumentationsarbeit findet oftmals in der Mittagspause oder nach Sprechstundenende statt
  • gesetzliche Vorgaben gelten auch für Arztpraxen

 

 

Wenn die App keine Termine mehr anbietet, sind alle freien Zeiten belegt und der Tag vollständig verplant. 

 

Niemand erwartet, dass ein Supermarkt um 22:01 Uhr noch einmal aufschließt. 

Genauso kann eine Praxis nach Ende der Sprechzeit keine weiteren Patienten mehr einschieben. 

 

 

 

 

✅ 4. Planbarkeit ist wichtig – für alle 

 

 

Auch Patienten planen ihren Tag – Arbeit, Kinderbetreuung, weitere Arzttermine, Fahrzeiten. 

Wenn ein 10-Uhr-Termin erst am Nachmittag beginnen würde, wäre das für niemanden fair oder praktikabel. 

Deshalb ist es wichtig, dass die Reihenfolge stabil bleibt und nicht unnötig unterbrochen wird. 

 

 

 

 

✅ 5. Warum „mal eben zwischendurch“ den ganzen Tag verzögert 

 

 

Auf den ersten Blick wirkt es unkompliziert, jemanden „kurz“ ohne Termin einzuschieben. 

In der Realität bedeutet das jedoch: 

 

  • Die geplante Reihenfolge wird unterbrochen
  • Die Zeit des eingeschobenen Patienten fehlt im Terminplan
  • ALLE nachfolgenden Termine verschieben sich entsprechend

 

 

Wenn das mehrfach am Tag passiert, entstehen schnell 30, 60 oder mehr Minuten Verzögerung. 

Darum arbeiten wir die Termine in der Reihenfolge ab, wie sie in der App stehen. 

 

 

 

 

✅ 6. Was Sie selbst tun können, damit alles reibungslos läuft 

 

 

  • Pünktlich kommen – nicht zu spät, aber auch nicht deutlich zu früh.
     Wenn Patienten 30–60 Minuten vor ihrer Terminzeit erscheinen, wirkt es, als könnten wir vorschieben.
     Das ist jedoch technisch und organisatorisch nicht möglich.
     Deshalb reicht es vollkommen aus, kurz vor Ihrem Termin da zu sein.
     (Wenn Sie einen weiteren Anfahrtsweg haben oder auf Bus/Bahn angewiesen sind, kommen Sie natürlich lieber etwas früher.)
  • Chipkarte nicht vergessen.
  • Wenn Sie im Bereitschaftsdienst, in der Notaufnahme oder bei einem Facharzt waren:
     Bitte bringen Sie die Arztbriefe und Befunde mit.
     Ohne diese Unterlagen müssen viele Dinge erneut geklärt oder untersucht werden – das kostet Zeit und führt zu Verzögerungen.
  • Nutzen Sie die App, um jederzeit Ihre aktuelle Position und die geschätzte Wartezeit zu sehen.

 

 

 

 

 

✅ 7. Ein Wort in eigener Sache 

 

 

Wir wissen, dass Warten unangenehm sein kann und manchmal Nerven kostet. 

Niemand sitzt gern lange im Wartezimmer, besonders wenn man sich krank fühlt oder Sorgen hat. 

 

Gleichzeitig ist es auch für uns und unser Team belastend, wenn sich Patienten lautstark beschweren oder Vorwürfe machen – obwohl wir mit einem gut organisierten und technisch unterstützten Ablauf arbeiten, der jeden Tag vielen Menschen hilft, möglichst zügig behandelt zu werden. 

 

Ein Busfahrer hat einmal gesagt: 

„Eine Haltestelle ist eine Haltestelle und keine Wartestelle.“ 

Für die Medizin gilt das Gegenteil: 

„Ein Wartezimmer ist ein Wartezimmer und kein Haltezimmer.“ 

Wer früher da ist, ist deswegen nicht früher dran – die Reihenfolge bleibt gleich. 

 

Wir arbeiten jeden Tag daran, dass alles effizient abläuft. 

Ein höflicher und geduldiger Umgang miteinander hilft dabei, dass sich alle in der Praxis gut aufgehoben fühlen – Patienten und Team gleichermaßen. 

 

Vielen Dank für Ihr Verständnis.